In Zeiten globaler Krisen beweist sich das regionale Netzwerk

 

Das Geschäftsjahr 2021 brachte für die TAGWERK eG eine zufriedenstellende Entwicklung mit sich. Dies ist insbesondere mit Blick auf die Corona Pandemie als auch auf die globale Entwicklung bemerkenswert. Die Krisen belegten die Stabilität des regionalen Konzeptes dank der weitgehenden Unabhängigkeit von globalen Entwicklungen. Auf nahezu allen Ebenen konnte sich die Genossenschaft weiter etablieren. Dieses erfreuliche Ergebnis stellte die TAGWERK eG bei der diesjährigen Generalversammlung am Donnerstag, den 30.06.2022 vor und wählte den neuen Aufsichtsrat.

Bio und Regional – erste Wahl in Krisenzeiten

Heiner Müller-Ermann stellte in seinem Referat die positiven Effekte des Ökolandbaus für die Lebensbedingungen von Menschen und Natur dar. Die große Resilienz der ökologischen Landbewirtschaftung zeige sich gerade in globalen Krisen. Allerdings, so der Gründungsgenosse und Diplomvolkswirt, laufe derzeit, angesichts des Ukraine-Kriegs, eine üble Kampagne. Von „Luxus-Bioweizen“ sei da die Rede, Biobauern und Biokunden in Deutschland seien letztlich schuld an Hungertoten in Afrika. Denn der Ökolandbau, der auf Kunstdünger und chemische Spritzmittel verzichtet, hole somit nicht das letzte aus den Böden heraus.

„Dies ist eine zynische Argumentation“, sagte Müller-Ermann, „denn mit dem Lieferausfall von Weizen aus der Ukraine fallen nur etwa fünf Prozent der Weltexportmenge weg. Gleichzeitig stehen überall riesige Getreidesilos und Speicher, mit denen heuer Mengenschwankungen problemlos abgepuffert werden könnten.“ Und für die nächsten Jahre wäre es ohnehin sinnvoll, den Fleischverbrauch zu reduzieren. Denn in Deutschland kämen von der gesamten Getreideernte lediglich 20 Prozent auf die Teller, 60 Prozent landeten in den Futtertrögen von Masttieren.

Wollten wir den armen Ländern wirklich helfen, dann sollten wir gegen die Preisspekulation vorgehen. Denn an den großen Weizenbörsen seien beispielsweise die Weizenpreise nur wenige Tage nach Kriegsbeginn um 52 Prozent gestiegen, erklärt Müller-Ermann. Das ist der Skandal, das ist das gnadenlose Spiel mit dem Hunger und nicht der Biolandbau.“  Im Gegenteil, gerade für die Länder im Süden werde die ökologische Wirtschaftsweise immer wichtiger. Denn sie baue Böden auf, anstatt sie zu zerstören, wirke dem Klimawandel entgegen und schaffe wieder mehr Humus, damit das knappe Wasser gehalten werden kann.

Ausbau der Kommunikationskanäle
TAGWERK erweiterte die Kommunikation mit den Verbrauchern über die bestehenden Kanäle hinaus deutlich. Nicht nur die Corona-Pandemie, auch die Entwicklung des Kommunikationsverhaltens hin zu den sozialen Medien veranlasste TAGWERK, ein Social Media Team zu bilden, das die Genossenschaft, die Metzgerei und auch die Märkte intensiv auf Facebook und Instagram positioniert. Große Erfolge weist der youtube Kanal auf. Dort ermöglichen Filme den Blick hinter die Kulissen von Erzeugerbetrieben und anderen TAGWERK Partnern. Mit knapp 150.000 Klicks beweisen diese Videos das große Interesse von Verbrauchern an den Hintergründen von TAGWERK.

Eine besondere Neuerung im digitalen Bereich ist die TAGWERK App, über die Kunden über Angebote in ihrem TAGWERK Biomarkt informiert werden.

Wirtschaftliche Stabilität
Die TAGWERK eG ist an mehreren Unternehmungen beteiligt. Im Wesentlichen sind das die TAGWERK Biometzgerei, die TAGWERK Großhandel für Naturkost GmbH und drei TAGWERK Einzelhandelsunternehmen.

Die Geschäftsentwicklung 2021 war zufriedenstellend, die Bilanzsumme beträgt 1.592.237€. Durch die Gewinnung neuer Mitglieder erhöhte sich das Geschäftsguthaben auf 883.970 €.
Die Abschreibungen im Rahmen der erfolgreich abgeschlossenen finanziellen Sanierung der Bio-Metzgerei lagen bei 173.335 €. Augrund dieser außergewöhnlichen Belastung wurde das abgelaufene Geschäftsjahr mit einem Jahresfehlbetrag von 104.032 € abgeschlossen. Das operative Ergebnis, das durch den regulären Geschäftsbetrieb der TAGWERK Genossenschaft erzielt wurde, liegt bei 9.503 €.

Der Vorstand und der Aufsichtsrat wurde jeweils ohne Gegenstimme entlastet.

TAGWERK Bio Metzgerei
Die TAGWERK Bio Metzgerei hielt das hohe Niveau von Qualität und Lieferfähigkeit. Im Herbst des vergangenen Geschäftsjahres wurde die Metzgerei von steigenden Tierpreisen und vor allem von Beschaffungsschwierigkeiten getroffen. So war es selbst bei hohen Einkaufspreisen schwierig, ausreichend Schweine und Rinder zu beziehen.
Im vergangenen Jahr konnte die Finanzsanierung der Metzgerei abgeschlossen werden. Im Geschäftsjahr 2021 konnte schließlich ein sehr erfreuliches Ergebnis mit gutem Umsatz bei angemessenem Rohertrag und passenden Personalkosten und trotz hoher Abschreibungen erwirtschaftet werden.
Die TAGWERK Bio Metzgerei erhielt 2021 beim Wettbewerb ‚Bayerns bestes Bioprodukt‘ der Landesvereinigung für ökologischen Landbau eV Gold für die Weißwurst und in diesem Jahr Silber für den Leberkäse. Dies bekräftigt die hervorragende Qualität und das schlüssige Konzept der Metzgerei. Beide Erfolge wurden intensiv auf allen Kommunikationswegen präsentiert.

TAGWERK Großhandel für Naturkost GmbH
Der Umsatz des Tagwerk Großhandels lag mit 19,2 Mio. € im vergangenen Geschäftsjahr auf ähnlichem Niveau wie 2020. Der geschätzte Jahresüberschuss liegt bei ca. 500.000 €.
In diesem Jahr fallen die Erwartungen geringer aus. In den bisherigen Monaten 2022 ist der Umsatz um ca. 10%, das Geschäftsergebnis um 30% zurückgegangen.
Ein neues Warenwirtschaftssystem ermöglicht eine Kostenersparnis durch Effizienz. Die bisherigen Ergebnisse sind positiv.
Anhand des Anteils an gehandelten TAGWERK Markenprodukten, der Regionalität der gehandelten Produkte, der Anzahl der beteiligten TAGWERK Erzeuger, der Berücksichtigung kleiner Erzeugerbetriebe, der Erzeugernähe, fairer Preise, fairer Preiskalkulation, fairen Löhnen und Lohnspreizung sowie der Möglichkeit zur Einbringung im Unternehmen wurde bewertet, ob sich der TAGWERK Großhandel im Sinne der TAGWERK Idee entwickelt. Die Aufsichtsrät*innen Christian Empl und Raphaela Lex fanden keine Unstimmigkeiten.

Aufsichtsratswahlen
Für die Aufsichtsräte Christian Empl und Edmund Creutzmann endete die dreijährige Amtszeit mit diesem Jahr. Während Edmund Creutzmann sich wieder zur Verfügung stellte, nahm Christian Empl Abschied von seinem Amt.
Zur Wahl stellte sich außerdem Moritz Wiest, ein neuer Verarbeiter im TAGWERK Netzwerk. Für die Wahl waren 40 stimmberechtigte TAGWERK Mitglieder und ein Nicht-Mitglied mit einer Vollmacht für Wahl und Entscheidungen und damit 41 Stimmberechtigte anwesend.
Diese wählten einstimmig die beiden zur Wahl stehenden Edmund Creutzmann und Moritz Wiest.
Damit hat der Aufsichtsrat wieder elf Mitglieder.

 

TAGWERK - Unsere Bio Nachbarn

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